Diese Geschichte habe ich ganz speziell für einen Geburtstag geschrieben. Meistens geht so was ja in die Hose, Geschichten aus beziehungsweise zu gegebenem Anlass zu schreiben, ist ziemlich schwierig. Aber mit der tatkräftigen Unterstützung von Dirk, der unbedingt in die Geschichte eingebaut werden wollte, werde ich dieses Wagnis auf mich nehmen.

Die Geburtstagsgeschichte

von Philipp Pulger


Geburtstagsgeschichten zu schreiben, ist schwierig (das sagte ich schon). Allein schon wegen der hohen Maßstäbe, die die gesetzt haben, denen das leicht gefallen ist. Die es einfach drauf hatten. Zum Beispiel Jesus. Tolle Geschichten hat der Mann erzählt. Alles Gleichnisse, die eigentlich Parabeln sind. Hat unser Deutschlehrer gesagt. Mit Hintergedanken, also, Moral und so. Und auch eine Geburtstagsgeschichte hat Jesus erzählt. Da hat doch ein König zu seinem Geburtstag alle seine Freunde eingeladen. Schöne Freunde. Nicht nur, dass alle keine Lust hatten, und keiner gekommen ist. Nein, die haben auch noch seine Boten umgebracht. Und dann hat der König seine ehemaligen Freunde bestraft und hat dafür die armen Leute von der Straße eingeladen. Die hatten es auch einmal verdient.

Das war mal eine tolle Geburtstagsgeschichte, die hatte alles zu bieten. Spannung, Action, ein bisschen Tragik und vor allem einen Hintergedanken, also, Moral und so. Wenn jetzt Leute Geburtstagsgeschichten erzählen, sind die meistens nicht so gut. Die handeln dann meist von irgendwelchen Besäufnissen. Das ist zu traurig, als dass man darüber lachen kann. Oder von irgendwelchen Kaffeekränzchen, auf denen dann die Wirkungen der neuesten Diät ausdiskutiert wurden.

Aber das will ich alles nicht verurteilen. Man hat es nämlich gar nicht leicht als Geburtstagsgeschichtenerzähler. Nicht nur wegen der zahlreichen Vorbilder. Nein, auch weil ein Geburtstag gar nicht so viel hergibt. Als Anlass, meine ich. Selbst wenn man alles nur erfindet, ist es schwierig. Hat man erst einmal einen Geburtstag erfunden, der sich als Anlass eignet, spätestens dann kommt man darauf, dass ein anderes Ereignis genauso gut oder besser geeignet ist. Wenn man auf dieses Ereignis nicht schon viel früher gekommen ist. Als Anlass, natürlich.

Um auf meine Geburtstagsgeschichte zurückzukommen: Mir ist vor einigen Jahren etwas ganz ähnliches passiert, wie dem König, von dem Jesus erzählt hat. An meinem Geburtstag. Ich hatte alle meine Freunde eingeladen. Als es dann soweit war, und ich Geburtstag hatte, ist keiner gekommen. Den ganzen Tag nicht. Und abends auch nicht. Nachts erst recht nicht. Da war ich traurig und habe geweint. Am nächsten Tag habe ich dann die Einladungskarten auf meinem Schreibtisch gefunden. Frisch frankiert.

© Philipp Pulger


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